WUOC – aus einer anderen Perspektive

Genau 6 Jahre ist es her, als ich bei meiner ersten WOC in Olomouc die Langdistanz laufen durfte. Und nun 2014 durfte ich das erste Mal mit dem österreichischen Team als Betreuerin bei der WUOC dabei sein.

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WUOC Team Austria 2014 (Foto: Hannes P.)

Spannend die ganze Sache! Ja und vielleicht doch etwas anders als in den anderen Sportarten, die nicht „meine eigenen“ sind, zur Wettkampfbetreuung dabei zu sein. Jedoch war es eine gute Erfahrung und ich denke es ist sehr wichtig in meinem Job immer dem Sport „nahe“ zu bleiben und solche Grossereignisse zu betreuen gehört sich zu diesen Erfahrungen.

Klar, diesmal war ich mehr als „Co-Betreuerin“ dennals Sportpsychologin vor Ort: Ich habe mit dem Team in der Vorbereitung nicht gearbeitet und bin selbst Trainerin im Orientierungslauf, konnte also auch sportartspezifisches Coaching übernehmen. Trotzdem ist es gut sich über Themen Gedanken zu machen wie „Wie kann ein Trainer aber auch ein Sportpsychologe Sportler/innen in Wettkampfsituationen leistungsfördernd unterstützen?“ „Welche Rolle hat der Sportpsychologe im Team“ „Wie verändert sich das ganze, wenn man das Team kennt, länger mit ihm zusammenarbeitet“.

Was mir speziell in Tschechien wieder einmal aufgefallen ist, ist wie komplex unsere Sportart ist und wieviele Dinge es gibt über die sich stundenlang diskutieren lässt: Es beginnt beim Gelände, bei den Karten, der Bahn, den Gabelungen, der Quarantäne, den Sperrgebieten, erlaubtes und unerlaubtes, Staffelaufstellungen, Wetter etc. etc. Schon allein bei den Teamleadermeetings würde ein Fachfremder wahrscheinlich den Eindruck bekommen: „Mann-o-Mann was ist denn das für eine komplizierte Sportart?“ Auf der anderen Seite gibt es diese Diskussionen bestimmt auch in anderen Sportarten. Wahrscheinlich bräuchte man eine Indoor-Sportart ohne Schiedsrichter (Schach?) um solche Diskussionen weitgehend zu vermeiden, aber selbst dort gibt es sie wahrscheinlich.

Hier gibt es aber einige Dinge zu bedenken:

  • Um seine optimale Leistungsfähigkeit im richtigen Moment abrufen zu können braucht es eine volle Konzentration aufs Hier und Jetzt
  • Konzentration auf/Beschäftigung mit äussere(n) Gegebenheiten, die man im Moment nicht ändern kann, können sich negativ auf die Stimmungslage auswirken. Dies wiederum kann die Konzentration vom Hier und Jetzt nehmen.

Deshalb ist es wichtig zu überlegen, wie man als Coach so agieren kann, dass man während der Wettkampfwoche, die wichtigsten sachlichen Infos weitergibt, aber die Wertung verschiedener Umstände möglichst vermeidet. Besonders wichtig wird dies –ndies war in Tschechien glücklicherweise nicht der Fall, weil die ganze Veranstaltung sehr toll organisier war – wenn grobe organisatorische Mängel auftauchen und man als Betreuer trotzdem gute Stimmung unter den Athleten fördern soll und ihr Energie auf die veränderbaren Dinge, wie die eigene, gute Leistung bündeln soll.

Natürlich spielen hier die Einstellung und Persönlichkeit der einzelnen Athleten und Athletinnen eine grosse Rolle – den einen fällt dies leichter, den anderen schwieriger.

Ich denke eine gute Idee wäre es dem Team Zeiten der Rückmeldung zu geben. Zum Beispiel am Ende so einer Wettkampfwoche von den Athleten gesammelt Rückmeldungen über die Organisation einerseits, die Betreuung andererseits sammelt und dann an das OK bzw. das Betreuerteam weiter zu geben. Genauso am Ende einer Saison für ein Team mit dem man mehr zusammenarbeitet. Dann könnte man sozusagen teilen in „eine Zeit des Leistens“ und „eine Zeit des Bewertens“. Dies muss natürlich klar vorher kommuniziert werden. Für die Psychohygiene und die Möglichkeit seine beste Leistung abzurufen wäre dies meiner Meinung nach während so einer Wettkampfwoche sehr wichtig.

Denn es ist so in Mode gekommen, vor allem in Zeiten des Internets, wo über alles sofort gebloggt und getwittert wird, dass Athleten ihrer Stimmung über organisatorische Mängel sofort freien Lauf lassen. Nicht falsch verstehen: Sie haben natürlich oft das Recht dazu beziehungsweise manchen hilft es vielleicht einfach Luft abzulassen. Aber es ist einer bekannter psychologischer Reflex dass je mehr man über etwas redet, je mehr man sich mit etwas beschäftigt, die Wahrnehmung auf bestimmte in diesem Fall „Mängel“ immer stärker wird. Gewisse Wahrnehmungstheorien zeigen auch dass schlechte Stimmung, bzw. gewisse Erfahrungen und Gedanken unsere Wahrnehmung in Zukunft sehr wohl beeinflussen (Halo-Effekt etc.) und dann natürlich auch für die Konzentration nicht förderlich sind.

Tja …dies sind so die Gedanken, die ich mir während dieser aufregenden Woche – mal auf der anderen Seite – in der Beobachtung machen konnte. Dazu kamen natürlich viele nette Gespräche und Erlebnisse in dem Team, das ich betreuen durfte. Hier bedanke ich mich beim österreichischen WUOC Team und Hannes Pacher dass ich diese weitere Erfahrung betreffend Wettkampfbetreuung machen durfte und für die schöne Woche mit euch! 🙂

Vereinskollegin Ursi Kadan unser "Teamstar" und ich in der Coachingzone

Vereinskollegin Ursi Kadan unser „Teamstar“ und ich in der Coachingzone – Foto by Barbara

Bettina - Athletin und Jana - Vereinskollgin strahlend mit ihren Langdistanzmedaillien

Bettina – Athletin und Jana – Vereinskollegin strahlend mit ihren Langdistanzmedaillen

Nun freue ich mich bereits auf meine nächste Wettkampfbetreuungswoche mit dem österreichischen MTBO-WM Team! Polen wir kommen!

                                                                      Referenzen

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