UNDER PRESSURE….

Football, soccer match. A player shooting on goal. Lights on the

Mit dem Versprechen in Zukunft über spannende sportpsychologische Themen zu bloggen ist es sicher angebracht ein paar Wörter über das letzte Highlight zu verlieren – die WM. Nein es geht nicht um die OL-WM (obwohl es hier bestimmt auch einige interessante Themen gäbe) hat mich doch die Fussball-WM sportpsychologisch noch mehr in ihren Bann gezogen.

Viele ahnen schon wovon ich spreche, das bestimmt legendärste Spiel dieser WM: Deutschland gewinnt 7:1 gegen Brasilien. Wie konnte das passieren? Gut. Man kann darüber diskutieren ob Brasilien als zu stark eingeschätzt wurde, oder darüber ob Sie überhaupt das Potential gehabt hätten zu gewinnen. Aber wie kann das passieren, dass eine der weltbesten Fussballmannschaften so derart von der Rolle ist in dieser Art zu verlieren?

Ich denke, aus mentaler Sicht sind es hier verschiedene Faktoren, die zu berücksichtigen sind:
Einerseits die Tatsache dass ihnen plötzlich zwei ihrer besten Spieler fehlten. Klar, Neymar hätte wahrscheinlich die Deutschen nicht allein aufhalten können, aber der mentale Druck auf die anderen Spieler wird, wenn ein Superstar wegfällt natürlich grösser. Und wenn in einer Mannschaft – in einem Team – wie in einer Kette plötzlich ein zwei Glieder fehlen oder ausgetauscht werden und die anderen Glieder genauso handeln wie bisher ändert sich manchmal die ganze Struktur einer Mannschaft, wenn man als Trainerteam nicht dagegenwirkt und die Spieler sich dementsprechend auf diese Veränderung einstellen.

Das zweite, was sicher schon während der ganzen WM ein Problem für die brasilianische Mannschaft war, ist die Sachorientierung: Die WM im eigenen Land. Im wahrscheinlich fussball-fanatischsten Land der Welt. Der Druck von aussen. Die Medien. Der politische Hintergrund.
Wenn der Captain kurz nach Spielschluss im Interview weinend sagt: Wir wollten nur unser Volk glücklich machen, nur den Menschen, die nichts haben, die benachteiligt sind, etwas geben (nicht der genaue Wortlaut), dann zeigt sich dass das zu weit ging. Wenn man solche Forderungen an sich selbst stellt, wenn das Team das von sich selbst erwartet, kann es nicht gut gehen: Weil das Ziel der Mannschaft muss es allein sein, Fussball zu spielen, ihre technischen Situationen so zu spielen wie sie sie geübt haben – die anderen Dinge müssen von aussen von der Mannschaft abgefangen werden oder zumindest angesprochen werden, wenn man eine gute Leistung bringen möchte. Man kann sich vorstellen, was es für eine Mannschaft für ein Druck ist, zu denken, ihr Land retten zu müssen. Das man dann vergisst wie eine banale Defensivsituation zu bewältigen ist, ist irgendwie verständlich.

Der dritte Punkt ist für mich der wichtigste und hat auch ein bisschen mit den ersten beiden Punkten und ganz viel mit mentaler Vorbereitung zu tun. Wenn ich mich auf so ein grosses Ereignis als Mannschaft vorbereite, und für die brasilianische Fussballnationalmannschaft war das unumstritten seit Jahren das wichtigste Ereignis, dann gehört zur Vorbereitung auch eine (mentale) Vorbereitung auf Ereignisse, die während dem Ereignis schief gehen (oder auch gutgehen) können. Wenn ich mit Athleten sportpsychologisch arbeite ist die Vorbereitung, die Antizipation darauf was passieren kann, ein ganz wichtiger Teil: „Was hab ich zu tun, wenn …“, ist etwas was man in die Vorbereitung miteinbauen muss um unter Druck das richtige zu tun.
Dass der Mannschaft zwei – klar in diesem Fall sehr wichtige – Spieler ausfallen ist etwas, das passieren kann aber noch viel mehr ist ein frühes Gegentor und vielleicht sogar ein zweites etwas das im Fussball jederzeit passieren kann und eine Vorbereitung darauf ist unumgänglich. Eine Überlegung: „Wenn wir früh ein (zwei) Gegentor bekommen, müssen wir uns noch stärker auf unsere jeweiligen Aufgaben konzentrieren, bis wir den Spielfluss wieder finden“ ist unumgänglich und mir ein vollkommenes Rätsel, warum dies nicht passiert ist. Die brasilianische Mannschaft war so vollkommen von der Rolle – spätestens nach dem 2:0 als wie wenn sie sich nie hätten erträumen lassen, dass so etwas passieren kann. Sie machten so gut wie nichts mehr richtig, waren richtig geschockt von der Situation.

Im Nachhinein fragt man sich, wie das passieren konnte. Aber wahrscheinlich war es wie so oft im Leistungssport. Mentale Vorbereitung ist theoretisch wichtig, aber wirklich ehrlich an Problemen die man vermutet zu arbeiten tut man dann doch nicht: Wenn man solche Sachen anspricht, die sich viele denken, könnte Unmut entstehen, man möchte nicht negativ denken. Und vielleicht wurde auch einfach in den wichtigsten Momenten das unangenehme nicht angesprochen und man dachte: Es wird schon gut kommen. Aber es kam eben nicht gut – wie auch ganz selten unvorbereitet bei diesem Druck.

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